Der Ausstieg aus einer Position ist ein sehr wichtiger Erfolgsfaktor für jedes Handelssystem und wesentlich komplexer als der Einstieg. Denn es gibt verschiedene Gründe, aus einer Position auszusteigen:

  • weil sie unsere anfänglichen Erwartungen nicht erfüllt und der Kurs des Basiswertes nicht die gewünschte Richtung einschlägt
  • weil die Position in die Verlustzone dreht und wir diese Verluste begrenzen müssen
  • weil wir aufgelaufene Gewinne sichern wollen, ohne die Position gleich ganz aufzulösen
  • weil eine Position bereits so weit im Gewinn ist, daß es tatsächlich sinnvoll ist, diese Gewinne jetzt mitzunehmen.

Hier nun also die Umsetzung dieser Stops im Einzelnen:

Der "Slow-Trade Stop"

Slow-Trade bedeutet in diesem Zusammenhang, daß leider nichts passiert, was unsere anfängliche Einschätzung der Richtung eines neuen Trades bestätigen würde. slowtrade_rDer Kurs des Basiswertes bewegt sich nur geringfügig und es ist nicht zu erkennen, daß er sich in der gewünschten Richtung entwickelt. Also stellen wir diese Position glatt. Nichts anderes tut der "Slow-Trade Stop".

In unserem Fall - dem Cobra-System - wird hierbei folgendermaßen vorgegangen:

Wir geben dem neuen Trade 4 Tage lang Zeit, um sich in die gewünschte Richtung zu entwicklen. Danach setzen wir ein Stop Loss Verkaufslimit, das identisch mit dem Einstiegskurs, also dem Kaufkurs ist. Sollte der Kurs des Basiswertes also nach 4 Tagen unter den Einstiegskurs fallen so wird verkauft. Sofort, ohne auf den Schlußkurs zu warten.

Ein Beispiel für diesen Slow-Trade Stop zeigt der nebenstehende Chart.

Begrenzung der Verluste

Nur etwa 50% unserer Trades sind profitabel und bringen einen Gewinn, der die Verluste der nicht erfolgreichen Trades jedoch überkompensiert. Aber damit das so ist müssen wir dafür sorgen, daß die Verluste begrenzt werden. Das ist genau die Aufgabe des Stop Loss Moduls.

Es geht also darum einen maximal tolerierbaren Verlust festzulegen, den wir auf keinen Fall überschreiten werden. Wenig Sinn macht es, einen festen Euro Betrag hier zu definieren. Denn dieser müßte ja irgendwie im Zusammenhang mit unserer Positionsgröße oder dem aktuellen Niveau des Basiswertes stehen. Ein relativer Stop wäre also gut. Ein adaptiver Stop wäre noch besser.

Das im Cobra-System verwendete Stop Loss Modul ist adaptiv, und zwar passt es sich an die aktuell vorherrschende Volatilität der Kurse an. Schwanken die Kurse sehr stark, so wird auch die Stop Loss Marke einen relativ weiten Spielraum für die Kursentwicklung lassen. Ist der Markt dagegen ohne große Bewegungen dann können auch die Stops enger gelegt werden. Weite Stops bedeuten natürlich höheres Risiko. Damit das wieder ins Lot kommt werden wir die Positionsgröße entsprechend anpassen. Mehr dazu in meiner Beschreibung zum Thema Money Management.

Ganz konkret wird die Stop Loss Marke im Cobra-System wie folgt berechnet:

Stop Loss = EntryPrice - InitialRisk * StdDev(Price, Length)

EntryPrice ist der Kurs. zu dem eine neue (Long-) Position eröffnet wurde. Der Faktor InitialRisk beträgt 1.7 und StdDev ist die Standardabweichung der Kurse über einen Zeitraum Length (welcher variabel, also adaptiv ist). Für Shortpositionen wird aus dem Minuszeichen natürlich ein Plus.

Gewinne mitnehmen nicht vergessen!

Im Idealfall kommt es ja gar nicht erst zum Auslösen eines Stop Loss und die Position entwickelt sich in die richtige Richtung, d.h. sie generiert Gewinne. Diese finden sich aber leider erst dann auf dem Konto ein, wenn die Position wieder liquidiert ist, die Gewinne also "mitgenommen" worden sind. Für diese wichtige Tätigkeit gibt es im Cobra-System zwei Mechanismen:

  • Das mitlaufende Stop (auch "Trailing Stop" genannt)
  • das Gewinnzielstop ("Profit Target Stop")

Wenden wir uns zunächst dem mitlaufenden Stop zu:

Trailing Stop zur Gewinnsicherung

Das mitlaufende Stop hat die Aufgabe, einmal aufgelaufene Gewinne nicht mehr vollständig abzugeben (im Falle einer Trendumkehr), sondern immer einen gewissen Teil dieser Gewinne zu sichern. Es gibt sehr viele Ansätze, ein solches Trailing Stop umzusetzen. Nach vielen Tests mit verschiedenen solchen Ausstiegsstrategien habe ich mich für eine sehr clevere Methode entschieden, die Chuck LeBeau im Jahre 2001 entwickelt und in einem seiner interessanten Traders Club Bulletins beschrieben hat: den ATR Ratchet Stop (engl. ratchet = Ratsche, Schaltrad).

Die Grundidee ist ganz einfach. Zunächst brauchen wir für jeden neuen Trade eine Stop Loss Marke, die in einigem Abstand zum Einstiegskurs verläuft. Das ist unser Stop Loss, den wir bereits beschrieben haben. Ausgehend von diesem initialen Stop addieren wir nun täglich einen Bruchteil der Average True Range, und zwar so lange, bis dieser Stop den aktuellen Kurs des Basiswerts erreicht hat und die Position somit ausgestoppt wird. Wichtig allerdings hierbei ist, daß wir mit dieser Addition erst anfangen, wenn sich die aktuell ePosition bereits ein gutes Stück in die richtige Richtung entwickelt hat. Die Grafik links zeigt, an welchen Stellen dieses Stop innerhalb eines starken Aufwärtstrends im DAX Future Positionen glattgestellt hat. stops_r

Das clevere an diesen Verfahren ist, daß wir nur wenig addieren, wenn die Volatilität, also die tägliche Schwankungsbreite gering ist. Steigen die Kurse jedoch kräftig, dann ist auch die Average True Range groß und unser Stop verfolgt den Kurs des Basiswerts auch mit großen Schritten. Letztlich hat dieses Stop auch den Namen "Cobra-System" geprägt: wie eine Kobraschlange verfolgt der ATR Ratchet Stop zunächst ohne große Bewegung einen neuen Trade („die Beute“), läßt ihn gewähren, um dann jedoch – wenn die Gewinne da sind - ganz schnell zum Angriff überzugehen und zuzuschnappen, bevor die Beute - die aufgelaufenen Gewinne – wieder fliehen kann.


Wenn die Gewinnmöglichkeiten ausgereizt sind...

Jede Kursbewegung erschöpft sich früher oder später. Es wird beispielsweise im DAX niemals vorkommen, daß er innerhalb von wenigen Tagen um 20 Prozent steigt (oder fällt) , es sei denn wir sind inmitten eines Crash-Szenarios. Es läßt sich recht gut ermittleln, wann Kursbewegungen - betrachtet im Bereich mehrerer Tage - ein Ende nehmen um entweder in einen gegenläufigen Trend überzugehen oder schlicht und einfach zu konsolidieren. An diesen Stellen wollen wir ebenfalls Gewinne mitnehmen und tun dies mittels eines Profit Target Stops.

Konsequenterweise habe ich dieses Profit Target Stop ebenfalls adaptiv gestaltet, es passt sich also an die aktuelle Volatilität des Basiswertes an. In Zeiten hoher Schwankungsbreiten werden höhere Kursziele erreicht als in passiven Phasen. Das scheint logisch. Hier die Berechnung des Profit Target Stops:

Profit Target = EntryPrice + ProfitMult * StdDev(Price, Length)

Diese Formel gilt für Longpositionen. Bei Shortpositionen wird eben aus dem Plus- ein Minuszeichen.

Eine Besonderheit: Positionswechsel nach Erreichen des Profit Targets

Ein zusätzliches Einstiegssignal ist in das Cobra-System programmiert, dessen Logik unmittelbar Sinn macht: wenn der Basiswert soweit gestiegen ist, daß ein Profit Target Stop ausgelöst wurde, also kaum mehr mit einem weiteren Anstieg gerechnet werden kann, dann macht es auch Sinn, sich bereit zu machen für eine möglichst schnelle Positionierung in die jeweilige Gegenrichtung. Also Short zu gehen nach einem Longtrade und umgekehrt. Hierfür habe ich folgende Regel entwickelt:

Wenn der Kurs des Basiswertes sich oberhalb (oder unterhalb bei einer Shortposition) des Profit Target Stop befindet - also die Position wegen Erreichen dieser Schwelle ausgestoppt wurde - dann gehen wir eine Gegenposition ein, wenn der niedrigste Wert von entweder dem Profit Target oder dem Tiefstkurs des Vortages unterschritten wird. Bei Shortpositionen heißt das wir gehen Long, wenn der höchste Wert von entweder dem Profit Target der Shortposition oder dem Höchstkurs des Vortages überschritten wird.

Diese Regel kommt nicht sehr oft zur Anwendung, aber wenn doch dann ist sie in der Regel sehr erfolgreich.